

Milan solo per te!
Mein Name ist Fabian Bocklage und seit Oktober 2009 studiere ich für knapp ein Jahr in Mailand an der Facolta Teologica dell‘Italia Settentrionale (Theologische Fakultät Norditalien). In diesen zwei sogenannten "Außensemestern" soll es jedoch nicht nur um das Studieren an einer anderen Universität gehen, sondern unter Anderem auch darum, sich zu prüfen und zu schauen, ob sich der Wunsch Priester zu werden festigt und sich eventuell auch in einem fremden und anderen Umfeld bestätigt. So lebe ich nun schon knapp ein halbes Jahr in der Hauptstadt der Lombardei.
Wenn man normalerweise etwas von der Stadt hört, denkt man zunächst an Designer, teure Schuhe und Kleider sowie zwei international erfolgreiche Fußballvereine (Die "Nerazzuri" und die "Rossoneri"). Doch Mailand hat weit mehr zu bieten als nur "Oberflächlichkeiten". Ambrosius oder Carlo Borromeo, um nur zwei bedeutende Heilige zu nennen, hatten hier ihre Wirkungsstätten und ihr Geist ist auch immer noch in der Stadt spürbar. So ist die letzte Ruhestätte des heiligen Carlo Borromeo im Mailänder Dom immer noch ein Muss für jeden Stadtbesucher und dementsprechend herrscht dort auch nahezu täglich ein reger Andrang. Bei gutem Wetter lohnt es sich, die vielen Treppenstufen des Domes hinauf auf das Dach zu steigen, um von dort einen perfekten Blick auf die Alpen oder das gesamte Gebiet der Stadt Mailand selbst zu genießen. Nicht zuletzt ist der Dom das Wahrzeichen dieser Stadt – nicht nur weil der umstrittene Regierungschef vor einigen Monaten mit einer Miniaturfigur der Kathedrale beworfen wurde.

Wenn man die Mailänder über "ihre Stadt" fragt, dann hört man oftmals die Antwort, dass Mailand trotz allem keine schöne Stadt sei. Als Außenstehender ist dazu zu sagen, dass die Mailänder mit dieser Einschätzung zwar nicht ganz unrecht haben, es jedoch auch äußerst schöne Flecken in der Stadt gibt, die mit ca. 1,2 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt der stiefelförmigen Halbinsel Italien ist. Der Parco Sempione hinter dem Castello Sforzesco, in dem sich nun eines der vielen Mailänder Museen befindet, ist Beweis dafür, dass sich auch Teile des hektischen Mailänder Lebens in einer weitläufigen Grünanlage abspielen. Das sei nur ein kleiner Einblick in die Metropole Norditaliens. Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, dem rate ich selbst hinzufahren, zu schauen und in Mailand ein paar Tage zu verleben.

Die Universität, an der ich für ein Jahr studiere, ist im Vergleich zur Fakultät in Münster nicht annähernd so groß. Lediglich ca. 300 Theologiestudenten studieren hier. So können Sie und Ihr als Leser auch schon jetzt davon ausgehen, dass das studentische Leben an der "Facolta" sich recht familiär abspielt. Anders gewendet: "Jeder kennt hier jeden!". Die "Facolta" selbst ist in einem ehemaligen Kloster mit einem beeindruckenden Kreuzgang untergebracht und hat direkten Anschluss an die Kirche San Simplicano. Diese Atmosphäre prägt und beeinflusst natürlich das eigene Studium an dieser Uni.

Eine sehr interessante Eigenart findet sich im kirchlichen Leben der Diözese Mailand: Der Ambrosianische Ritus. Die deutlichen Merkmale und Unterschiede machen sich zwar nicht so stark in der Feier der heiligen Messe bemerkbar, aber sie werden im Ablauf des Kirchenjahres deutlich: Der Adventskranz besitzt in den Kirchen Mailands und der Diözese sechs Kerzen (also sechs Wochen Advent) und die österliche Fastenzeit beginnt erst ab dem Wochenende nach Aschermittwoch. Also ist dieser Ritus ein großer Vorteil für diejenigen unter uns, die ungerne auf etwas verzichten möchten.
Das ist, was ich zu meinem Außenjahr, fernab vom bischöflichen Priesterseminar Borromaeum, über und aus Mailand berichten kann. Ich hoffe, dass die weitere Zeit hier in Mailand weiter so gewinnbringend sein wird, wie sie es bislang war.
Für Menschen die sich gerne mal die Stadt anschauen möchten hier noch ein schneller Tipp: Vergessen Sie die Straßenverkehrsordnung! Die Italiener fahren wie die Wilden (bei jeder beliebigen Ampelfarbe)! Und das nicht nur mit dem Auto oder dem Moped!




