Priesterseminar Münster
Schatten

Monatsporträt: Heinrich Menneking

Heinrich Menneking
19 Jahre, Pfarrei St. Peter in Wildeshausen, 1. Semester

Was sind das für junge Männer, die im Borromaeum wohnen und sich auf das Priesteramt vorbereiten? Einen kleinen Einblick in ihr Leben sollen die Kurzportraits geben, in denen sich monatlich jeweils ein Priesteramtskandidat durch die Beantwortung von fünf Fragen vorstellt.

Das war mir in den letzten Wochen besonders wichtig…

Das Leben im Priesterseminar ist für mich neben vielem anderen eine Herausforderung an die Zeitplanung. In den vergangenen Wochen galt es deshalb, den Ausgleich zu halten zwischen meiner Beziehung zu Gott in Gebet und Gottesdienst, dem Studium an der Uni, der Freizeit in Münster und Wildeshausen sowie dem Engagement in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG).

Ereignisse, die mich in den letzten Wochen innerlich oder im wahrsten Sinne des Wortes bewegten, waren das Burgfest der KJG, eine Probeklausur in Griechisch, die Deutschlandspiele der Fußball-WM sowie das Hochfest Petrus und Paulus.

Dieses Buch habe ich zuletzt gelesen…

Vor kurzem habe ich das Buch "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann gelesen. In diesem Roman schreibt er auf eine pointierte Art und Weise die Biographie der großen Wissenschaftler Carl Friedrich Gauß und Alexander Humboldt.

Dieses Werk hat mich einerseits aufgrund des Sprachstils seines Autors fasziniert. Andererseits aber hat mich beeindruckt, wie die beiden Wissenschaftler Gauß und Humboldt auf durchweg verschiedene Weise ihr gesamtes Leben der Erfassung der Welt gewidmet haben. Diese beiden Möglichkeiten der theoretischen Reflexion in den eigenen vier Wänden und des Ausziehens in die Welt, um diese aus eigener Erfahrung und Wahrnehmung zu beschreiben, sind für mich essentiell für den christlichen Glauben. Um diesen gelungen zu leben, bedarf es meiner Meinung nach des aktiven Handelns vor dem Hintergrund der Reflexion des Geschehenen und der Besinnung auf Gott.

Ich möchte gerne mal treffen…

Seit meinem Abitur ist nun schon ein Jahr ins Land gezogen und die Mitglieder meines Abijahrganges haben sich über ganz Deutschland und andere Ecken der Welt verstreut. Deshalb würde es mich freuen, einige von ihnen, mit denen ich mich lange nicht mehr persönlich unterhalten konnte, wiederzutreffen.

Da würde ich gerne mal hin…

Generell bin ich ein sehr reisefreudiger Mensch, weshalb es viele Orte gibt, die ich einmal besuchen möchte. Da ich zusammen mit einer Gruppe aus meiner Praktikumsgemeinde St. Pankratius, Dingden, im August diesen Jahres im Rahmen der internationalen Messdienerwallfahrt nach Rom fahren werde, heißt die nächste große Stadt auf meiner Reiseliste Santiago de Compostela. Bereits im Sommer 2008 habe ich gemeinsam mit einer Gruppe 200 km auf dem Jakobsweg in Südfrankreich zurückgelegt. Nun wächst in mir mehr und mehr die Sehnsucht, alleine mit einigen guten Freunden den spanischen Teil des Jakobsweges zu pilgern und so endlich zum räumlichen Ziel der Wallfahrt zu gelangen.

Allerdings möchte ich auch gerne im Sommer des nächsten Jahres am Weltjugendtag in Madrid teilnehmen sowie ein weiteres Mal nach Borkum reisen, auf die Insel, mit der ich viele schöne Kindheitserinnerungen verbinde.

Deswegen möchte ich Priester werden…

Spricht man in der heutigen Zeit Menschen auf das Thema Kirche an, so werden ihre spontanen Assoziationen wahrscheinlich die Themen Missbrauchskandal, Kirchenhierarchie, Zölibat, Frauenordination und Sexualmoral sein bzw. das Bild einer veralteten Institution, deren Verbote einem den Spaß am Leben raubten, weshalb man sie am besten gar nicht beachte.

Diese Wahrnehmung ist für mich schmerzhaft. Es ist meiner Meinung nach das große Dilemma der Kirche unserer Zeit, dass die Menschen ihr Wirken mit eher sekundären Fragen verbinden anstatt durch die Kirche an die Heilsbotschaft Gottes erinnert zu werden, der uns durch Leben und Sterben seines Sohnes die Erlösung geschenkt hat. Deshalb versuche ich, im Studium sowie in meinem eigenen (alltäglichen und geistlichen) Leben alles daran zu setzen, später ein Priester zu werden, der den Menschen einen Weg zu Gott weist und ihnen hilft, gerade in deren alltäglichem Leben einen Zugang zu ihm und seiner heilbringenden Botschaft zu finden.

Denn besonders in den Orientierungsschwierigkeiten der heutigen Zeit gilt, was eine gute Freundin mir kürzlich salopp aber durchaus ernsthaft sagte: "Jeder Mensch sollte seinen Priester haben."

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