Ausbildungsverlauf

In der Priesterausbildung unterscheiden wir vier Dimensionen, die in allen Ausbildungsphasen eine Rolle spielen:

  1. menschliche Reife
  2. geistliches Leben
  3. theologische Qualifikation
  4. pastoral-praktische Befähigung


Keiner der Interessenten, die zu uns kommen, muss schon „perfekt“ sein. Im Gegenteil: wir erwarten von allen Priesterkandidaten, dass sie bereit sind, zu lernen und sich auch persönlich zu entwickeln. Deshalb geht es im Priesterseminar immer um Wachstum – und zwar in allen vier Dimensionen menschlich, geistlich, theologisch und pastoral-praktisch.

Propädeutische Phase

Im Regelfall beginnt die Ausbildung mit einer propädeutischen Phase. Dazu nehmen künftige Priesterkandidaten als sogenannte Propädeutiker z.B. am ►BORROMAEUM Sprachenjahr teil. In der propädeutischen Phase bekommen sie eine grundlegende Einführung in das geistliche Leben: Welche Formen von Gebet gibt es? Welche Bedeutung hat die Feier der Sakramente? Wie kann das Leben als Priester nach den evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit gelingen?

Ebenfalls zur propädeutischen Phase gehört die intensive Beschäftigung mit der Heiligen Schrift. Die Propädeutiker lesen die Bibel vom Anfang bis zum Ende und lernen so den ganzen Bogen der Geschichte Gottes mit den Menschen kennen. Eine Pilgerfahrt ins Heilige Land vertieft dieses Kennenlernen noch weiter. 

Die meisten Priester sind in der Seelsorge in Kirchengemeinden tätig. Darum gehört auch ein vierwöchiges Gemeindepraktikum zur propädeutischen Phase. Viele Interessenten am Priesterberuf bringen schon sehr breite Erfahrungen aus ihrem ehrenamtlichen Engagement z.B. in ihrer Heimatgemeinde mit. Da ist es um so wichtiger, das Leben einer Kirchengemeinde einmal aus der Perspektive eines Pfarrers kennen zu lernen.

Der Dienst des Priesters ist wesentlich ein Dienst für die Menschen. Was es aber ganz grundlegend heißt, für Menschen da zu sein, erfahren die künftigen Priesterkandidaten während der propädeutischen Phase in einem zweimonatigen Pflegepraktikum in einem Krankenhaus, Altenheim oder einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.

Darüber hinaus gibt es in der propädeutischen Phase Einführungskurse in die Philosophie und Theologie, in Gruppendynamik sowie in Stimmbildung und Rhetorik. Auch eine erste umfassende ►Präventionsschulung ist Bestandteil dieses Ausbildungsabschnitts.

Und bei all diesen Aktivitäten sind wir als Ausbildungsgemeinschaft unterwegs und teilen miteinander das Leben in der Nachfolge Jesu.

Studienphase

Abhängig von den schulischen Voraussetzungen, die ein Interessent mitbringt, geht es nach der propädeutischen Phase mit dem Studium der katholischen Theologie weiter.

Wer das Abitur hat, studiert dazu normalerweise an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Regelstudienzeit für den Masterstudiengang beträgt zehn Semester. Während des Studium wohnen die Priesterkandidaten zusammen in den Wohngemeinschaften im Priesterseminar Borromaeum. Über das Studienprogramm der Fakultät hinaus gibt es ein für Priesterkandidaten verpflichtendes Ausbildungsprogramm im Borromaeum. Dazu zählen z.B. das gemeinsame Gebet, die Gottesdienste, die Stimmbildung, Rhetorikkurse, Kurse zur Theologie und zum geistlichen Leben, soziales Engagement, Exkursionen, thematische Wochenenden, Einkehrtage, Exerzitien, Praktika und Mitarbeit z.B. in katechetischen Projekten in einer Kirchengemeinde. Und weiter gilt: Wir sind als Ausbildungsgemeinschaft unterwegs und teilen miteinander das Leben in der Nachfolge Jesu.

Wer kein Abitur aber eine abgeschlossene Berufsausbildung hat und bereits mindestens 25 Jahre alt ist, kann im ►Spätberufenenseminar Lantershofen Theologie studieren und dort einen kirchlich anerkannten Abschluss erwerben. Die Anmeldung in Lantershofen geschieht über die Ausbildungsleitung des Priesterseminars Borromaeum in Münster.

Gemeindejahr

Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums geht es mit einem Jahrespraktikum in einer Kirchengemeinde in unserem Bistum weiter. Während die bisherigen Gemeindepraktika in der Ausbildung eher Hospitationspraktika waren, sollen die Priesterkandidaten als pastorale Mitarbeiter alle Bereiche der Pastoral kennen lernen und in verschiedenen Bereichen selbst verantwortlich tätig werden. Ein wichtiger Bestandteil des Gemeindejahres sind die Schulausbildung im Religionsunterricht mit einer Mentorin oder einem Mentor; z.B. in einer Grundschule. Außerdem geht es u.a. um Jugendarbeit, um Predigtübungen, Wortgottesfeiern und um die Arbeit mit Gruppen und Gremien.

Pastoralkurse

Die Pastoralkurse vor der Diakonen- und der Priesterweihe dienen vor allem der praktischen und der weiteren geistlichen Vorbereitung auf den Dienst als Diakon und als Priester in der Kirchengemeinde. Dazu kommen die Priesterkandidaten für mehrere Wochen wieder ins Priesterseminar und werden z.B. in liturgischen Übungen auf Taufen, Trauungen, Beerdigungen etc. vorbereitet.

Vikariatszeit

Nach der Priesterweihe sind die Neupriester zunächst gewöhnlich für vier Jahre als Kapläne in einer Kirchengemeinde unseres Bistums tätig und übernehmen als Teil des Seelsorgeteams vor Ort alle Aufgaben eines Priesters. Am Ende der vier Jahre steht das Pfarrexamen. Dazu gehört eine wissenschaftliche Arbeit zur Reflexion eines pastoralen Projektes aus der Seelsorge sowie ein literaturbasiertes theologisches Kolloquium. Mit dem bestandenen Pfarrexamen kann ein Priester ordentlicher Pfarrer einer Kirchengemeinde werden.

Lebenslange Fortbildung

Einmal im Jahr kommen die Priester unseres Bistums zu einer Fortbildungswoche ins Priesterseminar. Dabei geht es um Studieninhalte aus verschiedenen Bereichen der Theologie, der pastoralen Praxis, der Kunst etc. Teil der Fortbildungswoche ist auch ein Besinnungstag sowie eine Begegnung mit unserem Bischof in der gemeinsamen Eucharistiefeier und im Gespräch mit dem Fortbildungskurs.

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