Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen

Norbert Hacker in seiner neuen Wohnung im Priesterseminar Borromaeum. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Lara Bergjohann

Priesterseminar Borromaeum bietet Wohnungslosen ein neues Zuhause

 

Münster (pbm/lb). Abends sitzt Norbert Hacker gerne auf der Bank im Hof. Dort schaut er den Tauben zu und unterhält sich mit den Menschen, die vorbeikommen. „Das ganze Umfeld hier ist schön, und die Leute sind sehr nett. Wir haben hier einen Ort, um zur Ruhe zu kommen“, beschreibt der 66-Jährige das Leben im Priesterseminar Borromaeum in Münster. Priester werden möchte er allerdings nicht: Hacker ist einer von vier Wohnungslosen, die im Borromaeum vorübergehend ein neues Zuhause gefunden haben. Ermöglicht hat das die Zusammenarbeit zwischen der Bischof-Hermann-Stiftung und dem Borromaeum.

Die Idee hierzu entstand 2019: Der Platz im HdW (Haus der Wohnungslosenhilfe) und im HuK (Hilfevermittlung und Kurzzeitübernachtung) wurde knapp. Zudem hatten nach Angaben von Benno Oberröhrmann, Mitarbeiter des HdW der Bischof-Herrmann-Stiftung, von 80 Menschen im HdW 21 eine Arbeit. „Daher mussten wir Wohnraum schaffen, der es den Menschen ermöglicht, ihrer Arbeit nachzugehen“, sagt Oberröhrmann. „In Notunterkünften schlafen die Menschen oft in Drei- oder Vierbettzimmern“, erklärt er. Zudem litten dort einige unter Drogenproblemen oder seien psychisch krank. Ohne die Möglichkeit sich auszuruhen, sei es schwer, dauerhaft zu arbeiten.

In dieser Situation öffnete das Borromaeum buchstäblich gern seine Türen. „Wir sind Tag für Tag mit Menschen in Kontakt, die in unterschiedlichen Notsituationen sind“, sagt Hartmut Niehues, der als Regens die Einrichtung leitet, „da ist es uns ein wichtiges Anliegen, immer wieder zu überlegen, wie wir helfen können.“ 

Allerdings ist das Borromaeum keine Wohnung auf Dauer. Nach spätestens eineinhalb Jahren sollen die Menschen ein neues Zuhause gefunden haben. Bei der Suche nach einer Anschlusswohnung erhalten sie Unterstützung. Haben sie eine neue Wohnstätte gefunden, werden die vier Zimmer frei für andere Wohnungslose.

Norbert Hacker hat sein Zimmer kurzfristig bekommen: Beim Umzug seines jetzigen Mitbewohners kam die Idee auf, dass Hacker ebenfalls ins Borromaeum einziehen könne. Der 66-Jährige hatte sich an das HdW gewandt, als ihm seine frühere Wohnung – und vor allem die Nebenkosten – zu teuer wurden.

Im Borromaeum hat jeder sein eigenes Zimmer, gemeinsam teilen sich die Bewohner das Bad, die Küche und ein Wohnzimmer. Jeder kann seine Zeit frei gestalten. Manchmal essen und kochen sie zusammen. „Wir verstehen uns gut“, sagt Hacker über das Verhältnis zu seinen Mitbewohnern. Und auch Regens Niehues findet: „Die Erfahrungen nach den ersten Wochen sind sehr positiv. Das passt wunderbar zu uns als Hausgemeinschaft von jungen Menschen, die versuchen, Tag für Tag ihr Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten“. Zudem freue man sich über die Kontakte, die schon entstanden sind, und wolle diese weiter ausbauen.

Text und Bild: Bischöfliche Pressestelle

 

Regens Hartmut Niehues hat am 20. September 2022 in einem ►Interview bei Domradio über das Projekt berichtet.

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